Vergangenheit und Zukunft

Dezember 26, 2006

Unser Blog ist wieder da, doch in der letzten Zeit hat sich einiges getan bei uns und in unsereren Ansichten. Das Thema Streetart ist für uns vorerst beendet. Es war eine nette Zeit, wir durften mit tollen Menschen zusammenarbeiten und haben wertvolle Erfahrungen machen dürfen. Doch im Moment sehen wir keinen Sinn darin, Streetart in der Form, in der wir sie bis jetzt betrieben haben, weiter zu führen. Das Ganze hat in unseren Augen keine nennenswerte Perspektive mehr. Die Entwicklung ist dabei, sich tot zu laufen und wir möchten uns da gerne anschließen. Begann Streetart damals als perspektivvolle, energiegeladene Grenzbewegung zwischen Graffiti und anderen künstlerischen Strömungen mit mannigfaltigen Möglichkeiten, so ist sie im Großen und Ganzen inzwischen nur noch zur Dekoration von Fußgängerzonen verkommen. Die vorherrschende Aussage, die man inzwischen auf der Straße entgegengebracht bekommt variiert meist zwischen „Ach ist das niedlich!“ und „Das ist aber schön gezeichnet, weshalb klebt der/die denn das einfach auf die Häuserwand, wo das doch eh bald wieder abgemacht wird?“. Soll das alles gewesen sein? Ist dies das gesamte Potenzial was am Anfang eine solche Faszination ausgestrahlt hat? Graffiti brachte eine Anti-Haltung und eine Unzugänglichkeit, die in der Kombination mit einer ständigen Präsenz in allen Bereichen der Gesellschaft eine enorme Kraft ausstrahlt. Doch was daraus gemacht wurde ist traurig. Streetart wurde zu einem Kampf um Anerkennung, um Zuspruch bei künstlerisch mittelmäßig gebildeten Passanten. Ein niedliches Plakat dient in erster Linie dazu, sich die Beachtung zu verschaffen, die man in Kreisen mit einem dementsprechenden Hintergrund nicht erreichen würde. Dann doch lieber eine Wand, zwei Dosen, drei Buchstaben und vier Minuten Zeit! Hier geht es nicht darum zu gefallen, was zählt ist die pure Ästhetik von Buchstaben und Zeichen, eine introvertierte Welt mit eigenen Regeln und dadurch – ein Statement. Aber Streetart war ja auch nicht nur als konsequente Weiterführung von Graffiti gedacht, vielmehr Wurde der Anspruch gestellt, die Kunst aus den Galerien auf die Straße, in das Alltagsumfeld der Menschen zu bringen, den urbanen Raum zu erobern und intelligent zu nutzen. Doch davon blieb wenig. Größtenteils werden einfach nur Wände und sonstige Flächen mit einer Vielzahl von Motiven zugeballert, die in keinerlei Zusammenhang stehen und sich gegenseitig die so schon recht geringe Wirkung kaputt machen. Wurde es dann mal geschafft ein Plakat intelligent im Zusammenhang mit dem urbanen Umfeld zu platzieren, so dauert es nicht lange bis alles wieder wie eine wahllos zugekleisterte Werbewand aussieht. In diesem Fall kann man auch von niemandem verlangen sich mehrere Minuten davor zu stellen und die einzelnen Objekte im Kopf zu isolieren um ihre Wirkung abzuschätzen. Die Macher sehen sich als „Streetartkünstler“, warum können sie nicht ein dementsprechendes Auge beweisen? Warum bleibt die Entwicklung stehen? Es gibt so viele Möglichkeiten konzeptuell zu arbeiten auf unseren Straßen, doch getan haben das die wenigsten. Was für ein Flash war das als man die ersten Sachen von „Lindas Ex“ in Friedrichshain gesehen hat, doch es kam nichts nach, der Großteil brachte weiterhin zusammenhangslose, als lustiges Motiv für sich stehende Plakate und Aufkleber. Da ist es einfach inspirierender sich mit in Galerien und Museen arbeitenden Konzeptkünstlern zu beschäftigen, wobei man natürlich selber auch immer mehr das Interesse an den minderwertigen Straßenarbeiten verliert. Damit möchte ich nicht sagen dass alles scheiße ist, es gibt einige Künstler die von einem bewundernswerten Engagement und einem hohen Maß an Kreativität getrieben werden. Doch leider sind dies wenige und man muss diese international zusammensuchen.

 

Aber genug der Kritik. Das ist unser Standpunkt im Moment und dies ist unser Blog. Somit wird es in Zukunft an dieser Stelle die Dinge zu lesen und sehen geben, die uns beschäftigen und inspirieren, wobei diese mal mehr und vor allem mal weniger mit „Streetart“ zu tun haben werden.

Advertisements

Wir haben entschieden die Seite weiter zu führen, auch wenn sich inhaltlich wohl einiges verändern wird, da „Streetart“ im herkömmlichen Sinne für uns im Moment keine Interessanten Aspekte mehr aufzuweisen hat.

dan-akroyd-blues-brothers-sunglasses1.jpg